Goldpreis fällt, obwohl der Dollar und die Renditen nachgeben
07:00 Uhr | Przemyslaw Radomski
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels notiert der USD-Index 0,2 Prozent tiefer bei 101,97, die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen liegt bei 5,00 Prozent – nach 5,04 Prozent zum Handelsschluss am Mittwoch – und der Rohölpreis ist um mehr als 1 Prozent gefallen.
Alle drei Faktoren wirken sich normalerweise positiv auf den Goldpreis aus. Die Gold-Futures für Dezember notieren dennoch bei rund 4.033 US-Dollar, und der GLD-ETF ist um 1,4 Prozent gefallen. Silber fiel auf 52,03 US-Dollar, ein neues Tief für das Jahr 2026, und der GDXJ, der ETF für Junior-Bergbauaktien, ist um 3,3 Prozent gefallen.
Wenn Gold an einem Tag fällt, an dem es eigentlich Unterstützung finden sollte, haben die Verkäufer die Oberhand. Meiner Ansicht nach ist dies ein bärisches Signal.
Die Fed hielt an ihrem Kurs fest, und die Daten brachten keine Überraschungen
Die Fed behielt am Mittwoch mit 10 zu 2 Stimmen ihren Zielkorridor von 3,75% bis 4,00% bei. Gouverneurin Lisa Cook und die Präsidentin der Fed von Cleveland, Beth Hammack, stimmten dagegen, da beide eine Anhebung um einen Viertelpunkt befürworteten. Fed-Vorsitzender Warsh wollte sich nicht auf eine Zinserhöhung im Dezember festlegen: "Ich halte nichts von Forward Guidance, sofern keine dringenden Umstände oder eine Krise vorliegen." Fed-Funds-Futures preisen weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember ein.
Die heutigen Daten haben an diesem Bild nichts geändert. Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal mit einer annualisierten Rate von 3,4 Prozent, nach 2,2 Prozent im zweiten Quartal, und lag damit über den von Ökonomen erwarteten 3,2 Prozent. Die PCE-Daten für September entsprachen den Prognosen: Die Kerninflation stieg im Monatsvergleich um 0,3 Prozent und im Jahresvergleich um 3,1 Prozent, nach 3,0 Prozent im August.
In Europa behielt die EZB ihren Einlagensatz bei 2,5 Prozent bei, wobei die Inflation im Euroraum im September bei 3,8 Prozent lag, und Christine Lagarde kündigte an, dass sie am 7. Februar 2027, etwa neun Monate vor Ablauf ihrer Amtszeit, zurücktreten werde.
Gold drehte nahe dem 38,2-Prozent-Retracement um
Die Erholung des Goldpreises hielt nicht lange an.
Am Mittwoch stiegen die Dezember-Gold-Futures bis auf 4.097,20 $, was leicht über dem 38,2-prozentigen Fibonacci-Retracement des jüngsten Rückgangs lag, und drehten dann ins Minus. Heute notiert Gold etwa 64 $ unter dem Hoch vom Mittwoch. Das "Head-and-Shoulders"-Top auf dem obigen Chart ist vollendet, und sein Abwärtsziel liegt bei etwa 3.920 $.
Der Dollar ist im Minus, und Gold ebenfalls
Der USD-Index lässt Gold heute etwas Spielraum.
Der USD-Index rutschte auf 101,97 ab, nachdem er am Mittwoch bei 102,19 geschlossen hatte, und befindet sich weiterhin nahe seinem Höchststand aus dem Jahr 2026. Während der Korrektur im Oktober hielt sich der Index über seinen bisherigen Höchstständen, die sich als Unterstützung erwiesen.
Die Korrelation zwischen Gold und dem US-Dollar ist traditionell negativ, sodass ein schwächerer Dollar den Goldpreis beflügeln dürfte. Niedrigere Anleiherenditen dürften ebenfalls helfen, da sie die Kosten für das Halten von Gold senken, das keine Zinsen abwirft. Heute fällt der Goldpreis trotz dieser beiden Faktoren.
Silber auf einem neuen Tiefstand für 2026
Silber führt erneut den Abwärtstrend an.
Der Silberpreis fiel heute auf 52,03 $, ein Jahrestief für 2026 und den tiefsten Stand des Dezember-Kontrakte seit November 2025. Der SLV-RTF ist um 3,9 Prozent gefallen, fast dreimal so stark wie der GLD.
Am Montag schrieb ich: "Zwei Tagesschlusskurse unterhalb der Tiefststände sind bereits eingetreten, und ein dritter würde den Einbruch bestätigen." Der Schlusskurs vom Montag war der dritte, und heute befindet sich Silber auf neuen Tiefstständen.
Am 8. Oktober schrieb ich: "Ein Rückgang unter 50 Dollar ist meiner Ansicht nach nun sehr wahrscheinlich." Silber schloss an diesem Tag bei 59,42 $. Seitdem ist Silber um 11,9 Prozent gefallen, Gold um 3,0 Prozent.
Die Bergbauaktien geben nach
Die Bergbauaktien legten drei Tage lang zu, und heute geben sie einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab. 
Der GDXJ stieg von 99,35 $ am Freitag auf 104,42 $ am Mittwoch. Heute liegt er bei knapp 101 $, was einem Rückgang von 3,3 Prozent entspricht, während der GLD um 1,4 Prozent nachgab.
Am Montag schrieb ich außerdem: "Solange die Bergbauaktien an Tagen, an denen der Goldpreis fällt, nicht steigen oder zumindest weniger stark fallen als der Goldpreis, dürfte der Abwärtstrend in diesem Sektor noch anhalten." Heute ist ein solcher Tag, an dem der Goldpreis fällt, und die Aktien kleinerer Bergbauunternehmen fallen mehr als doppelt so schnell wie der Goldpreis.
Öl und Iran
Der Ölpreis ist aufgrund der Hoffnungen auf Gespräche mit dem Iran gesunken.
Der Rohölpreis ist heute um 1,3 Prozent gefallen; der WTI-Dezember-Kontrakt notiert bei knapp 101,40 $ und der Brent-Dezember-Kontrakt bei knapp 114,20 $. Am Mittwoch berichtete das "Wall Street Journal", dass Vizepräsident J. D. Vance einen Brief an Mohsen Rezaei, den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, geschickt habe, um die Friedensgespräche wiederzubeleben. Präsident Trump erklärte, er habe diese Kontaktaufnahme gebilligt, und bezeichnete sie als Hilfe bei der Bereitstellung medizinischer Güter.
Dem "Wall Street Journal" zufolge forderte er die Verbündeten am Golf zudem auf, sich auf eine kurze, intensive Kampagne gegen den Iran nach den Zwischenwahlen am 3. November vorzubereiten. Der Iran hat bisher noch nicht öffentlich auf den Brief geantwortet.
Technisch gesehen hat Rohöl an seiner abfallenden Widerstandslinie eine Pause eingelegt, und der Schlusskurs der letzten Woche von 103,27 $ war der dritthöchste Wochenabschluss des WTI in diesem Jahr. Bei Gold verläuft der Zusammenhang mit dem Öl über die Zinsen, da höhere Ölpreise mehr Inflation und höhere Zinsen bedeuten. Heute ist der Ölpreis gesunken, und Gold ist mit ihm gefallen.
Aktien
Auch die Aktien sind im Minus, angeführt vom Technologiesektor.
Der S&P 500 ist um 0,5 Prozent und der Nasdaq Composite um 1,5 Prozent gefallen, nachdem Alphabet nach der Veröffentlichung seiner Ergebnisse um 12,8 Prozent nachgab. Silber reagiert stärker auf den Aktienmarkt als Gold, und heute verzeichnet der SLV einen Rückgang, der mehr als doppelt so hoch ist wie der des Nasdaq Composite.
Was das für uns bedeutet
Die Fed hat ihre Geldpolitik beibehalten, die Daten entsprachen den Erwartungen, und der Dollar, die Renditen sowie der Ölpreis sind gesunken. Gold ist trotzdem im Minus, Silber befindet sich auf einem neuen Tiefstand für das Jahr 2026, und die Aktien kleinerer Bergbauunternehmen fallen mehr als doppelt so schnell wie Gold. Meiner Ansicht nach wird der Rückgang im Edelmetallsektor noch weitergehen.
Gold hatte heute Gründe für eine Erholung, hat aber keinen davon genutzt.
© P. Radomski
Gründer von GoldPriceForecast
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Dieser Artikel wurde am 30.10.2026 auf www.gold-eagle.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten.de übersetzt.