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Japan rät uns, auf Gold zu setzen

30.09.2026  |  Matt Piepenburg
Im Folgenden betrachten wir die Lehren und jüngsten Signale aus Japan, um uns auf einen Marktabschwung, eine beschleunigte Geldentwertung und ein goldenes Endspiel vorzubereiten.


Muster erkennen

Vor langer Zeit brachte mir mein Vater bei, dass die Jahre einem Dinge lehren, die die Tage gar nicht registrieren.

In allen Bereichen unseres Lebens entwickeln wir nach und nach bestimmte Sichtweisen, die auf Erfahrung statt auf Theorie und auf Zeit statt auf Vermutungen beruhen.

Dasselbe gilt für die Lebenszeit, die man mit Investitionen in Märkte und Zyklen verbringt. Dabei erlangt man eine bestimmte Fähigkeit, Muster zu erkennen, die einem auch kein Bloomberg-Terminal oder KI-Roboter beibringen kann.

Zu Zeiten der dot.com-Blase – die ausgerechnet von der fraglos transformativen Technologie des Internets angetrieben wurde – war ich z.B. selbst Trader, und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie von allen Seiten (von Wall-Street-Experten bis Hollywood) erklärt wurde, dass Cisco, Yahoo und AOL Könige seien, die niemals entthront werden würden.

Das fühlte sich sehr aufregend an.

So lange zumindest, bis der NASDAQ 78% verlor und zwei dieser "Könige" auf ihren Schilden vom Markt getragen wurden, während Cisco das Gemetzel immerhin überlebte, aber nie wieder dasselbe Unternehmen sein würde.

Diese Tage und Jahre erteilten uns eine weitere Lektion, deren Muster die meisten nicht gerne sehen, weil sie einfach nicht aufmerksam hinschauen bzw. nie hingeschaut haben.

Apropos Muster oder Lektionen: Auch heute erkennen nur sehr wenige, dass Japans Staatsanleihe, der Yen und der Nikkei uns einen vertrauten Kursplan dafür liefern, wohin es auch mit der US-Notenbank, dem US-Dollar und dem S&P geht.


Ich glaube, wir werden Japaner (Ja, das glaube ich wirklich)

Was dieses Jahr in Japan passiert, geht weit über die grundsätzlich wichtigen Diskussionen zum japanischen "Carry Trade" hinaus.

Anleihe-Koryphäen erinnern uns ständig an langweilige Dinge wie Staatsanleihe-Renditen, was oft zu langweilig (oder zu beängstigend) ist, um sich damit auseinanderzusetzen.

Themen wie der Tod oder die Anleihemärkte sind wie die Sonne – man kann ihnen selten direkt ins Auge sehen.

Die Tatsache z.B., dass die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe Japans (JGB) gerade erstmals in ihrer Geschichte die Marke von 4,18% überschritten hat, mag vielen, die vom tagtäglichen "Doomscrollen" durch Kriegsnachrichten, KI-Memes oder die jüngsten Skandale aus Washington aufschauen, gerade mal ein Gähnen entlocken.

Doch dieser historische Renditeanstieg im fernen Tokio ist weit mehr als nur ein weiteres Signal vom Anleihemarkt. Er ist ein Vorbote dessen, was Sie (und Ihren Geldbeutel) bald unmittelbar betreffen wird.


Der Kanarienvogel in der Kohlengrube

Ähnlich wie die USA ist das heutige Japan (die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt) ein Papiertiger, der auf einer außerordentlichen Verschuldung (von mehr als 200% seiner Gesamtwirtschaftsleistung) sowie einem Anleihe- und damit auch Aktienmarkt basiert, der vollständig von einer Zentralbank stabilisiert wird (und mit dieser korreliert), welche fatalerweise nicht mehr anders kann, als Landeswährung in Billionen-Höhe zu drucken (und damit zu entwerten), um weiterhin ökonomische Lebensfähigkeit vorzutäuschen.

Falls diese Funktionsbeschreibung große Ähnlichkeiten mit den USA und Europa aufweist, dann deshalb, weil Japan schlichtweg der Kanarienvogel in der Kohlengrube des Westens ist. Wir werden in die Fußstapfen Japans treten.

Tatsächlich sind Japans Sünden in vielerlei Hinsicht unsere eigenen, insbesondere die der USA.


Das sind die Experten schuld

Kurz nachdem der Nikkei 1989 buchstäblich starb, gab ein damals ehrgeiziger und deutlich jüngerer Ben Bernanke Tokio das Handbuch zum Thema: Wie drucke ich mich aus einer Krise?

Jahre später, als die US-Märkte 2008 einbrachen, sollte Bernanke auf ein ganz ähnliches Handbuch zurückgreifen. Wie wir heute feststellen, war seine Expertise alles andere als fachkundig.

Doch in dieser Phase massenhafter MMT-Wahnvorstellungen sowie massiver Währungsentwertung wettete die Wall Street jahrelang (jahrzehntelang) darauf, dass Japans Verschuldung angesichts unweigerlich steigender Anleiherenditen (und somit Schuldenkosten) irgendwann implodieren würde.

Buchstäblich jahrzehntelang setzten die Querdenker der Wall Street im großen Stil auf einen Rendite-Anstieg, der den Nikkei und die JGB mit einer einzigen großen Schlagzeile erneut zu Fall bringen würde.

Doch diese Schlagzeile kam nie, und die erwähnte Wette gegen Japan wurde an der Wall Street als "Witwenmacher" bekannt.


Zeit kaufen, Schmerz vertagen

Stattdessen erkaufte sich die japanische Zentralbank (BoJ) Jahrzehnte und eine Markt-Erholung, wofür sie schlichtweg unvorstellbare Mengen an Yen druckte, um die Nachfrage nach JGBs (japanischen Staatsanleihen) und den Nikkei-Kurs aufrechtzuerhalten.

Fast während meiner gesamten Karriere sorgte das dafür, dass die japanischen Renditen bei null bis negativ blieben. So wurde Zeit gewonnen; wer gegen Tokio gewettet hatte, wurde niedergewalzt.

Und das bringt mich zurück zu jener langweiligen Rekord-Rendite von 4,18% bei der japanischen Staatsanleihe mit 30-jähriger Laufzeit.


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